Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Ich hätte auch schreiben können, das zwei nicht genug sind oder dass wir nicht nur politisch zurück in den Zeiten des kalten Kriegs angekommen sind... Das ein neuer Browser sich auf den Weg hin zu unseren digitalen Schreibtischen macht, das ist eigentlich keinen Artikel wert – es sei denn, ein Web-Gigant wie Google steht hinter dieser Software.

Googles neuer Browser unter dem Namen Chrome ist da

Ich hätte auch schreiben können, das zwei nicht genug sind oder dass wir nicht nur politisch zurück in den Zeiten des kalten Kriegs angekommen sind… Das ein neuer Browser sich auf den Weg hin zu unseren digitalen Schreibtischen macht, das ist eigentlich keinen Artikel wert – es sei denn, ein Web-Gigant wie Google steht hinter dieser Software.

Warum Google einen neuen Browser entwickelt und dabei ein Team gleich zwei Jahre an der Software basteln lässt? OK, Google muss nicht jeden Dollar zweimal umdrehen und kann sich locker erlauben, mal ein paar Ressourcen hier und da zu versenken. Google selber begründet diesen Einsatz konkret mit einem Mehrwert für den Nutzer und innovativen Schüben, die in Zukunft das Web erzittern lassen – dank dem neuen Browser mit dem klingenden Namen „Chrome“.

Dabei hatte Google erst vor kurzer Zeit die Zusammenarbeit mit der Mozilla Foundation bis 2011 verlängert. Firefox sucht auch in Zukunft via Google und Google finanziert im Gegenzug die Weiterentwicklung des stärksten Internet Explorer Mitbewerbers. Im Jahr 2006 waren das laut Golem immerhin runde 60 Million US-Dollar. Die Veröffentlichung der Beta von Chrome ist einem „Versehen“ zu verdanken. Ein Google Mitarbeiter hat wohl etwas zu stürmisch auf den „Senden“ Button gedrückt und damit einen 40 Seiten Comic über den neuen OpenSource Browser in ein Blog gestellt.

Technisch basiert Chrome, wie auch Apples Safari, auf der Rendering-Engine „WebKit“ – trotzdem sollen mit Chrome viele Dinge besser werden. Insbesondere die Performance von Javascript-Anwendungen soll deutlich verbessert werden. Das wäre ein wichtiger Schritt zu noch mehr Dynamik in den Seiten – unabhängig davon, ob Javascript die ideale Umgebung für diese Web 2.0 Inhalte ist. Die Javascript-Engine stammt laut Comic von einem „V8-Team“ in Dänemark und soll zum einen Multiprozessor-CPUs besser nutzen und zum anderen die Prozesse isolieren und damit mehr Stabilität bringen. Schnell ist er, der neue von Google. Hier kann ihm zur Zeit kein anderer Browser das Wasser reichen. Einen weiteren Rekord dürfte die Sammelleidenschaft von Chrome sein – wer nicht bewußt anonymisiert, der liefert fleißig Daten an Google – natürlich nur, um den Komfort für den Nutzer zu erhöhen – klar.

Google selber glaubt nicht, dass der neue Browser einen nennenswerten Marktanteil erobert, sondern sieht in Chrome primär einen Technologieträger, der die anderen Browseranbieter inspirieren soll. Ein nicht ganz nachvollziehbares Ansinnen, denn dazu hätte man die V8 Engine ja gleich Firefox und Verwandten anpreisen können.

Interessanter erscheint mir in diesem Zusammenhang ein Blick auf die aktuelle Beta 2 des Internet Explorers in Version 8. Möchte Google etwa abwenden, dass der Nutzer im Browser die Weitergabe von Informationen blockiert, die Google für eine zielgerichtete Schaltung von Werbung benötigt? Lassen wir uns überraschen, ob wir heute den Eintritt in eine neue Ära der „browser wars“ erleben und das ausgerechnet durch die „do no evil“ Company Google. Nebenbei bemerkt, hat sich Google bei der Entwicklung keinerlei Mühe gegeben, den neuen Vorzeigebrowser zugänglich (accessible) zu machen. Anders gesagt, Barrierefreiheit scheint bei den Entwicklern kein Thema gewesen zu sein.